Gans oder Ganter

     

Geschlechtsbestimmung bei Gänsen

Selbst erfahrene Züchter und Aussteller haben immer wieder Probleme und große Zweifel mit der Geschlechtsbestimmung ihrer Tiere. Im Gössel und frühem Jungtieralter ist eine Zuordnung anhand äußerer, also sichtbarer Merkmale nahezu unmöglich. Bei älteren Tieren sind Großrahmigkeit, langer Hals, aufrechte Haltung, helle Stimme sowie das Imponiergehabe z. B. beim männlichen Tier noch längst kein eindeutiges Indiz über deren Geschlecht. Oft werden schwache männliche Tiere in größeren Herden von ihresgleichen unterdrückt. Dann stehen diese waagerecht mit eingezogenem Hals (Demutshaltung) und geben keine Stimmlaute von sich. Sie erscheinen wie weibliche Tiere, und erst Monate später, in der Paarungs- und Zuchtzeit bemerkt der Halter, dass es sich um ein männliches Tier handelt. Das erklärt vielleicht auch, warum immer wieder selbst auf großen Rassegeflügelschauen schwache Ganter als Gänse ausgestellt werden.

Mit annähernd 100%tiger Sicherheit lässt sich das Geschlecht bei den Gänsen (gilt für alle Rassen) durch die Kloakenuntersuchung feststellen. Diese Art der Untersuchung ist in allen Altersstufen, also beim wenige Tage alten Gössel wie auch bei ausgewachsenen Tieren möglich. Im Gösselalter muss wenig Druck auf die Kloake ausgeübt werden, da der Schließmuskel noch nicht so kräftig ausgebildet ist. Auch das noch nicht vorhandene Aftergefieder, welches die Sicht auf die Kloake beeinträchtigen kann, stört nicht. Nachteilig ist in dieser Altersphase allerdings, dass der Penis beim männlichen Tier noch sehr klein ist. Hier wirken sich ein gutes Auge und etwas Erfahrung positiv aus. Bei den älteren Tieren ist der Kloakenmuskel wesentlich kräftiger als beim Gössel. Deshalb muss auch mehr Kraft bei der Geschlechtskontrolle aufgewendet werden. Auch das ausgereifte Aftergefieder kann die Sicht auf die Kloake beeinträchtigen. Dafür ist der Penis gut entwickelt und somit eindeutig zu erkennen. Bei älteren Gantern kann man auch durch die Kloakenuntersuchung Hinweise auf deren Zuchttauglichkeit erhalten. Ist der Penis gut ausgebildet und läßt sich problemlos ausstülpen ist alles in Ordnung. Kommt jedoch ein kleiner, verkümmerter Penis zum Vorschein, der sich oftmals auch nur schwer ausstülpen läßt, sollten diese Ganter der Küche zugeführt werden, da sie in der Regel ein unbefriedigendes Befruchtungsergebnis liefern.

Ich selbst führe die Kloakenuntersuchung bei meinen Tieren im Alter von 4 Wochen, gleichzeitig mit dem Beringen durch. Das hat folgende Vorteile: geringe Druckauswirkung auf den Schließmuskel, das noch nicht vorhandene Aftergefieder beeintächtigt nicht die Sicht, der Penis ist mit 3-5mm Länge schon gut zu erkennen und die Gössel brauchen nicht noch einmal zum Beringen extra gefangen und somit beunruhigt werden. Ganter werden links und Gänse rechts beringt. Laufen die Tiere später gemeinsam in ihrer Herde, kann ich deren Geschlecht eindeutig wegen der unterschiedlichen Beringung (links/rechts) erkennen.

Die Geschlechtsbestimmung ist sehr einfach und ohne großen Aufwand durchzuführen. Ich z. B. setze mich auf einen Stuhl und stelle die Füße auf eine kleine Unterlage. Bei dieser Sitzhaltung gehen die Oberschenkel leicht nach oben. Die Knie sind also höher als die Sitzfläche. Nun wird die Gans mit ihrem Rücken auf den Schoß gelegt, so dass deren Hinterteil auf den Knien zum liegen kommt. Diese Sitzposition bewirkt, das der Bauch der Gans etwas höher liegt als deren Brust. Der Gänsehals wird zwischen die Beine geklemmt und die Läufe werden mit den Unterarmen auf die Oberschenkel gedrückt (Bild 1). Bei der so fixierten Gans wird nun durch leichten Zug beider Hände nach unten, deren Daumen und Zeigefinger links und rechts an der Kloake liegen diese ausgestülpt (Bild 2 + Bild 3). Mit etwas Erfahrung geht das recht schnell. Allerdings kommt es oft vor, das Ganter verkrampfen und somit ihr Geschlechtsteil nicht zeigen. Mit etwas Geduld und einem weiteren Versuch wird es dann sicherlich gelingen. Schäden und Verletzungen sind meines Wissens bei einer sorgsamen Kloakenuntersuchung noch nie aufgetreten.

Bild 2 zeigt den ausgestülpten Penis beim geschlechtsreifen Ganter

 

Bild 3 zeigt das Geschlechtsorgan einer weiblichen Gans

 

Karl-Heinz Tuma, Lemförde

Dieser Bericht wird demnächst noch mit einem Foto (Bild1) vervollständigt

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